Frage: Brauchen wir wirklich LLMs – oder reichen klassische ML-Ansätze?
Antwort: Starten Sie mit der Aufgabe. Wo freie Textgenerierung oder semantische Suche über unstrukturierte Dokumente nötig sind, sind LLMs sinnvoll. Für strukturierte Vorhersagen, Anomalien oder Bildfehlererkennung sind spezialisierte Modelle oft robuster, schneller und günstiger. Eine Entscheidungsmatrix hilft: Eingabetyp, Latenzanforderung, Erklärbarkeit, Datenklassifizierung und Betriebskosten.
Frage: Ist On-Premise nicht zu langsam und teuer im Vergleich zur Cloud?
Antwort: Es kommt auf den Prozess an. Für produktionskritische Inferenz mit harten Latenzen und sensiblen Daten ist On-Prem oft die einzige Option mit kontrollierbarer Verfügbarkeit und Auditierbarkeit. Cloud kann für Entwicklung und Experimente Geschwindigkeit bringen. Hybride Architekturen funktionieren, wenn Grenzen und Datenflüsse klar definiert, automatisiert geprüft und auditierbar sind.
Frage: Wie starten wir, wenn unsere Daten „zu chaotisch“ sind?
Antwort: Reduzieren Sie den Scope. Wählen Sie eine Linie, ein Asset, einen klaren Use Case. Definieren Sie Datenverträge mit zwei, drei wichtigsten Quellen, bauen Sie eine No-Regret-Baseline, und sorgen Sie für reproduzierbare Ingestion und Transformation. Parallel etablieren Sie Labeling- und Golden-Set-Prozesse. Der Hebel liegt in Qualität und Kontrolle, nicht in Datenmenge.
Frage: Wie stellen wir DSGVO-konformen Einsatz von KI-Assistenten sicher?
Antwort: Minimieren Sie unkontrollierte Datenabflüsse. Verwenden Sie Retrieval mit kuratiertem Wissensraum, Redaktionsstufen vor Persistenz, rollenbasierte Policies und Audit-Logs. Protokollieren Sie, welche Dokumente Grundlage einer Antwort waren, und ermöglichen Sie eine personenbezogene Auskunft und Löschung, wenn das für Ihren Anwendungsfall relevant ist. Halten Sie sensible Verarbeitung in kontrollierten Umgebungen.
Frage: Wie lange dauert der Weg in die Produktion?
Antwort: Abhängig vom Use Case. Ein realistisch geplantes Vorhaben gliedert sich in Wochen für Wert-Hypothese und Baseline, wenige Monate für Datenfundament und Shadow-Phase, weitere Monate für Rollout mit Guardrails. Der kritische Pfad ist selten das Training, sondern Integration, Datenqualität und Governance. Mit klaren Kill-Kriterien vermeiden Sie endlose POCs.
Schlussgedanke
KI kennt Ihr Business nicht. Sie müssen es ihr beibringen – in Form von klaren Zielen, sauberen Daten, kontrollierten Betriebsbedingungen und überprüfbaren Annahmen. Souveränität ist dabei kein Luxus, sondern die Voraussetzung, dass Intelligenz zuverlässig wirken kann. Wenn Sie problem-first planen, Daten als Produkt behandeln und Produktionstauglichkeit von Anfang an einpreisen, wird aus dem POC ein System, das im Alltag trägt.