Observability ohne Datenabfluss
- Telemetrie: OpenTelemetry Collector aggregiert Metriken, Traces, Logs. Export ausschließlich an lokale Backends.
- Retention und Klassifikation: Unterschiedliche Aufbewahrungsfristen nach Datenklasse; PII‑Reduktion an Quelle.
- eBPF‑gestützte Einblicke: Cilium Hubble oder Parca für Profiler, ohne invasive Agent‑Flut.
MLOps und LLM‑Betrieb on-prem
Artefakte und Experimente:
- Modell- und Artefakt‑Registry: MLflow on‑prem mit MinIO‑Backend. Model Cards, Metriken, Datasets versioniert.
- Feature Store: On‑prem Feature‑Store (Feast) oder Postgres‑basierte Eigenlösung mit Snapshot‑Reproduzierbarkeit.
- Evaluation: Offline‑Benchmarks mit synthetischen Daten, deterministische Seeds, reproduzierbare Pipelines.
GPU‑Scheduling:
- NVIDIA GPU Operator für Treiber/CUDA, MIG Partitionen in Multi‑Tenant‑Umgebungen.
- NUMA‑und Topologie‑Bewusstsein: Pinning für Low‑Latency‑Inference, real‑time Kernel, wenn wirklich notwendig.
- Quoten: GPU‑Quota und preemptible Queues, damit Ad‑hoc‑Experimente nicht Produktionsinferenz verdrängen.
LLM‑Serving:
- Server-Engines: vLLM/TensorRT‑LLM für Throughput, llama.cpp für Edge/CPU‑Fälle.
- Quantisierung: 4‑/8‑Bit für Kosten/Leistung; Trade-off Qualität vs Latenz glasklar messen, nicht raten.
- Tokenisierung: CPU‑Offload spart GPU‑RAM, erhöht aber Latenzspitzen – je nach SLO entscheiden.
Governance und Audit:
- Prompt/Response‑Korridor: Für regulierte Branchen braucht es transparente Entscheidungswege. Eine Governance‑Komponente (z. B. unser Alpi-M) erzwingt Policies, maskiert sensible Felder, protokolliert Interaktionen revisionssicher und erlaubt Offline‑Audits. Overhead in Millisekunden, aber Compliance‑Gewinn enorm.
- Rollouts: Canary‑Inferenz nach Nutzergruppe/Use‑Case; Rückroll in Sekunden; Evaluationsmetriken fließen in Freigabeentscheidungen.
Sicheres API‑Design für langlebige Systeme
- Evolvierbare Schnittstellen: Stabiler Kern (z. B. Protobuf/Avro) mit strikten Kompatibilitätsregeln, „nullable by default“ vermeiden, Versionierung klar definieren.
- Kontrakt-Tests: Consumer‑Driven Contracts, um Upgrades entkoppelt zu ermöglichen.
- Migrationsfenster: Längere Koexistenz alter und neuer Endpoints, klare Deprecation‑Politik.
- Datenbudget: Felder mit Datenklassen taggen (PII/Non‑PII), Durchsatz‑ und Retentions‑SLOs als Teil des API‑Kontrakts.
Disaster Recovery und Patch-Strategie
- Backups:
- etcd‑Backups verschlüsselt, regelmäßig getestet.
- Snapshots der PVs (CSI‑Snapshots), Offsite‑Kopien, WORM‑Buckets für Unveränderlichkeit.
- DR‑Runbooks: Ziel‑RTO/RPO realistisch; Wiederanlauf in isolierter Testumgebung üben; Abhängigkeiten (IdP, Registry, DNS) explizit behandeln.
- Patching:
- Kumulative, signierte Updates, gebündelte Wartungsfenster.
- Blue/Green‑Cluster‑Upgrades per Cluster‑API oder Node Pools; Workloads drainen, SLOs überwachen.
- Kernel‑ und Treiber‑Updates abgestimmt mit GPU‑Stacks.
Ökonomische Überlegungen (TCO statt Bauchgefühl)
- CapEx vs OpEx: On‑prem amortisiert sich bei konstanten Lasten und sensiblen Daten häufig nach 12–36 Monaten, besonders bei GPUs. Spikes lassen sich über Pufferkapazität oder private EU‑Hoster abfedern.
- Personal: K8s-Betrieb ist kein Nebenjob. Zwei bis drei Engineers mit Plattform‑Fokus genügen oft für 50–150 Nodes, wenn Prozesse und Tooling stimmen.
- Vermeide Overengineering: Starten Sie mit einem Cluster, klaren SLOs und GitOps. Multi‑Cluster‑Federation und Mesh kommen nur, wenn ein echter Grund existiert (z. B. Domänen‑Isolation, Exportkontrolle, geografische Trennung).
Entscheidungsrahmen: Cloud, on-prem oder Hybrid?
- Datenlokalität streng? On‑prem oder EU‑Sovereign‑Cloud eines europäischen Anbieters. Air‑Gap nötig? On‑prem.
- Latenz < 10 ms zum Sensor/Aktor? Edge/on‑prem.
- Lebenszyklus > 10 Jahre mit kontrollierten Upgrades? On‑prem oder dedizierte Private‑Cloud; vermeiden Sie kurzlebige Managed‑SaaS‑Abhängigkeiten im Kern.
- Teamgröße < 5 Plattform‑Engineers? Starten Sie klein: Einfache Distribution, klare Standards, später ausbauen.
- Bedarf an elastischer, kurzfristiger Rechenlast ohne Sensibeldaten? Temporäre Auslagerung an EU‑Hoster mit strengen Verträgen möglich – aber Datenklassifikation zuerst.
Minimaler, tragfähiger Startaufbau (pragmatisch)
- Infrastruktur: 3‑5 Worker‑Nodes (davon 1‑2 mit GPU), 3 Control‑Plane‑Nodes, redundante Storage‑Backends.
- Plattform:
- Kubernetes (RKE2/kubeadm), Cilium, cert-manager (Private CA).
- Harbor Registry (mit Trivy), GitLab on‑prem, Argo CD.
- Vault (optional HSM), Keycloak (AD‑Integration).
- Observability: OpenTelemetry Collector, Prometheus, Loki, Tempo/Jaeger, Grafana.
- Daten/ML:
- MinIO, Postgres, MLflow, Feature Store (leichtgewichtig).
- vLLM/TensorRT‑LLM für LLM‑Serving, GPU Operator.
- Alpi-M für Observability/Governance von LLM‑Agents.
- Prozesse:
- GitOps‑Repo als „Single Source of Truth“.
- SBOM‑und Signaturpflicht für alle Images.
- Canary‑Rollouts, wöchentliche Patch‑Cadence.
Anti-Patterns, die wir real gesehen haben
- Lift-and-shift von Cloud-Tutorials: 30 Microservices für ein Team mit zwei Entwicklern, ohne Not – Betrieb überfordert, Mean-Time-To-Recovery explodiert.
- Geheimnisse im Git: Base64 ≠ Verschlüsselung. Ohne Vault/SOPS/Sealed‑Secrets landen Sie schnell im Audit‑Feuer.
- „Wir patchen nie, wir sind sicher im Air-Gap“: Air‑Gaps sind poröser als gedacht (USB, Maintenance‑Fenster, Supply‑Chain). Ohne regelmäßiges Patchen ist es nur Security‑Theater.
- Unsignierte Images, kein SBOM: Compliance‑Dead‑End. Spätestens bei Vorfällen fehlt die Nachvollziehbarkeit.
- Service Mesh by default: Istio für drei Services macht niemanden glücklich. Starten Sie mit NetworkPolicies und mTLS, erst bei Bedarf Mesh.
Kurzer Praxis-Schnipsel: Fleet Intelligence im Bahnkontext
Ausgangslage: Mehrere Depots, eingeschränkte WAN‑Verbindungen, sensible Fahrzeug‑ und Betriebsdaten. Lösung:
- Pro Depot ein Edge‑Cluster (K3s), zentrale Auswertung im Rechenzentrum (RKE2).
- NATS für Telemetrie mit lokalen Puffer‑Stores; periodische, signierte Synchronisation zur Zentrale.
- GitOps‑Rollouts aus einem internen Mirror; Updates depotweise mit Canary‑Strategie.
- Keycloak lokal mit Fallback‑OIDC‑Clients, zentrale Richtlinienreplikation.
- ML‑Modelle (Anomalieerkennung) über MLflow versioniert; Inferenz on‑site, zentrale Re‑Trainingsjobs aus pseudonymisierten Daten.
- Vollständige Telemetrie on‑prem; SLO‑Verletzungen triggern automatische Rollbacks.
Das Ergebnis: Deterministische Latenzen, keine Datenabflüsse, reproduzierbare Deployments – und ein Betrieb, den ein kleines Team dauerhaft stemmen kann.
Meinungsstarker Schluss