• Use Case wählen mit:
  • Klarem Engpass (Qualität, Stillstände, Wissenstransfer)
  • Datenzugang innerhalb von 2 Wochen herstellbar
  • Metrik, die das Management versteht
  • Architekturentscheidung treffen:
  • On-prem K8s-Cluster skizzieren (Storage, Identity, CI/CD)
  • BYOM festlegen: Welche offenen Modelle, welche Lizenzen, welche Serving-Stacks
  • Datenklassifizierung und PII-Strategie
  • Security & Compliance:
  • DPIA/DSFA-Template anlegen
  • TOMs für Datenflüsse definieren
  • Netzwerksegmentierung und Secrets-Management klären
  • Prototyp umsetzen:
  • Baseline ohne ML
  • Minimalmodell trainieren/servieren
  • Einfaches UI und Feedbackkanal
  • Governance:
  • Logging/Monitoring aktivieren
  • Modell- und Datenversionierung etablieren
  • Freigabeprozess definieren (Canary, Rollback)

10) Ein Wort zur Skalierung

Wenn der erste Use Case sitzt, skalieren Sie horizontal:

  • Komponenten wiederverwenden: Storage, Identity, CI/CD, Observability, Feature Store.
  • Templates als Code: „Project cookiecutter“ für neue Pipelines.
  • Daten-Governance zentralisieren, aber Use-Case-Ownership dezentral lassen.

Vermeiden Sie Big-Bang-„Plattformen“. Bauen Sie eine schlanke, souveräne KI-Delivery-Schiene, die Use Cases im Takt von Wochen aufnehmen kann.

FAQ

Frage: Müssen wir zwingend ein Data Lakehouse bauen, bevor wir KI produktiv einsetzen können?
Antwort: Nein. Starten Sie use-case-zentriert mit klaren Datenpipelines und wiederverwendbaren Bausteinen (Objekt-Storage, Katalog, Feature Store). Konsolidierung kann parallel oder später erfolgen. Der schnellere Weg zu Wertschöpfung ist „Thin Slice“ statt „Big Bang“.

Frage: On-prem klingt aufwendig. Rechtfertigt sich der Aufwand gegenüber einer schnellen Cloud-Lösung?
Antwort: Wenn Datensouveränität, DSGVO-Risiken oder Lieferantenverträge Cloud ausschließen, ist on-prem alternativlos. Der Betriebsaufwand sinkt deutlich, wenn Sie standardisierte Komponenten (K8s, GitOps, Observability) einsetzen. Zudem vermeiden Sie Lock-in und haben die Latenz und Kosten besser im Griff.

Frage: Fine-Tuning eigener LLMs oder lieber RAG?
Antwort: Für interne Wissensarbeit im Mittelstand ist RAG meist die erste Wahl: schneller, günstiger, leichter zu warten. Fine-Tuning lohnt sich, wenn Sie repetitive Antwortmuster oder proprietäre Stile robust abbilden müssen. Auch dann: Governance und Quellenpflicht behalten Priorität.

Frage: Wie messen wir „Erfolg“ jenseits von Modellmetriken?
Antwort: Definieren Sie eine Geschäftsmetrik pro Use Case (z. B. -X% Nacharbeit, -Y Minuten pro Ticket). Ergänzen Sie Prozessmetriken (Nutzungsrate, Zeit bis zur Aktion) und Betriebsmetriken (Latenz, Ausfallzeit). Erfolgreich ist, was stabil im Prozess wirkt – nicht nur, was im Offline-Test glänzt.

Frage: Wie minimieren wir Risiken bei LLM-Agenten?
Antwort: Starten Sie mit Assistenz ohne automatische Aktionen. Setzen Sie Policy-Gates, Quellenpflicht, PII-Redaktion und Observability um. Blockieren Sie Standard-Outbound-Traffic und erlauben Sie nur freigegebene Tools/Quellen. Nutzen Sie Canary-Releases und klare Rollback-Strategien für Modellupdates.

Schlussgedanke

Der Mittelstand muss keine Konzernplattform kopieren, um mit KI produktiv zu werden. Eine souveräne, on-premise-fähige Architektur, ein scharf abgegrenzter Use Case und ein 90‑Tage‑Plan mit echter Prozessintegration schlagen jedes Hype-Projekt. Wer technische Schulden bewusst niedrig hält – Governance ab Tag 1, Edge dort, wo es Sinn ergibt, RAG statt ungezieltem Fine-Tuning – liefert messbaren Wert und behält die Hoheit über Daten und Systeme. Genau darum geht es: Souveränität ermöglicht Intelligenz.