- Cloud‑PoC mit geschlossener API, später „Portierung on‑prem“. Die Semantik (Tokenisierung, Tool‑Use, Rate Limits) und Hardwareannahmen ändern sich – Sie bauen zweimal.
- Keine Vertragsschemata für Features. „Nur schnell ein CSV“ tötet Reproduzierbarkeit und Debuggability.
- In‑Process‑Inferenz ohne harte Isolation. Ein Treiberfehler reißt den Hauptprozess und produziert Produktionsstillstand.
- LLM ohne Governance. Ohne Tracing, Policies und Output‑Validierung sind Audits und Root‑Cause‑Analysen unmöglich.
- „Wir messen später“. Ohne Latenz‑/Qualitäts‑SLOs gibt es auch keinen automatischen Rollback – bis der Kunde es merkt.
- Prompts als Spreadsheets. Prompt‑Versionen gehören in Git und ins Release‑Artefakt, nicht in Chat‑Historien.
Mein Standpunkt: Wer Souveränität ernst nimmt, wählt offene Modelle, reproduzierbare Artefakte, Audit‑fähige Pipelines und betreibt alles on‑prem. Nur dann lässt sich KI wie jede andere kritische Softwarekomponente behandeln – versionierbar, testbar, rollbackbar.
FAQ
Frage 1: Wir haben keinen GPU‑Cluster. Können wir trotzdem starten?
Antwort: Ja. Beginnen Sie mit CPU‑optimierten Modelleinsätzen (OpenVINO/oneDNN) für Tabular/OCR, und nutzen Sie kleine, quantisierte LLMs für textuelle Aufgaben. Für Vision mit engen Latenzbudgets genügt oft eine einzelne L4/RTX‑Workstation on‑prem. Entwerfen Sie die Architektur so, dass ein späteres GPU‑Scaling transparent ist (Inferenz als Service, keine In‑Process‑Kopplung).
Frage 2: Wie integrieren wir LLMs in air‑gapped Netzen ohne Internetzugang?
Antwort: Bauen Sie eine Artifakt‑Lieferkette mit signierten, geprüften Modellpaketen und Container‑Images. Verwenden Sie einen internen Registry‑Mirror, führen Sie SBOM‑Scans und Security‑Reviews vor Import durch. Inferenzserver (vLLM/TGI) und Vektorstore laufen vollständig on‑prem. Policies für PII‑Redaktion und ACL‑basiertes Retrieval werden lokal erzwungen. Keine Telemetrie verlässt das Netz.
Frage 3: Wie minimieren wir Halluzinationen bei LLM‑Antworten?
Antwort: Drei Hebel:
- RAG‑Qualität: sauberes Chunking, hochwertige Quellen, strikte Zugriffskontrolle, und Kontexte mit Zitierpflicht zurückgeben.
- Output‑Kontrolle: JSON‑Schemas/DSLs erzwingen, konfidente Antworten von unsicheren trennen und letztere an Mensch/Regel routen.
- Observability: Messen Sie Kontext‑Abdeckung und Konsistenz über Testsuiten, setzen Sie Policies für riskante Antworten. Ein Governance‑Layer wie Alpi‑M macht das reproduzierbar und auditierbar.
Frage 4: Wie messen wir ROI einer KI‑Nachrüstung?
Antwort: Definieren Sie vorab operative Metriken: Reduktion von Falschpositiven in der Qualitätsprüfung, mittlere Bearbeitungszeit pro Ticket, Erstlösungsquote in der Wartung, Latenz‑SLA‑Einhaltung, Anteil sicherer Autopässe vs. Fallbacks. Binden Sie Kosten ein: GPU‑Stunden, Labeling‑Aufwände, Fehlerrückläufer. Nur wer diese Zahlen in der Observability sichtbar macht, kann ROI seriös beziffern.
Frage 5: Was genau leistet eine Observability‑/Governance‑Plattform wie Alpi‑M in diesem Setup?
Antwort: Sie schließt die Lücke zwischen „Modell läuft“ und „System ist auditierbar und steuerbar“. Konkret: vollständige Traces aller LLM‑Agent‑Schritte, RAG‑Kontexte, Policies für PII und Zugriff, Qualitätsmetriken und Drift‑Signale, Replay/A‑B‑Vergleiche und eine Integrationsschicht über OpenTelemetry/SDK – alles on‑premise und DSGVO‑konform. Dadurch werden Freigaben, Rollbacks und Prüfungen so handhabbar wie bei klassischer Software.
Schluss
KI in Bestandssoftware ist kein Greenfield‑Traum, sondern eine Integrationsdisziplin. Wer die Realität von Netz, Betrieb und Compliance von Anfang an im Design verankert, bekommt robuste Systeme: entkoppelte Inferenzdienste, klare Contracts, souveräne Datenpfade, harte Observability, und schrittweise Migration mit Fallbacks. Das ist weniger spektakulär als das nächste Modellpaper – aber genau das, was in der Industrie zählt. Souveränität ermöglicht Intelligenz.